In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde festgestellt, dass bei einem Teil der Patienten, die Levothyroxin (Euthyrox, Levotiron) einnehmen, die Dosierung des Medikaments zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion möglicherweise nicht korrekt ist (USA).
Alter, fT4-Wert, klinische Symptome, Body-Mass-Index (BMI), eingenommene Medikamente, Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und allgemeiner Gesundheitszustand (Vorhandensein akuter Erkrankungen, Komorbiditäten) sollten bei der Bewertung der individuellen TSH-Werte berücksichtigt werden, wenn die Medikamentendosis angepasst wird. Die Annahme einer Krankheit allein aufgrund von TSH-Werten, die vom Zielbereich abweichen, ist nicht zu rechtfertigen. Beispielsweise liegt der gewünschte Bereich bei TSH-Werten über 70 Jahren deutlich höher, während er bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs niedriger ist.
Eine im Journal of the Endocrine Society veröffentlichte Studie zeigt, dass die TSH-Werte bei etwa 7000 gesunden japanischen Teilnehmern saisonal schwanken. Demnach erreichen die TSH-Werte in der nördlichen Hemisphäre im Januar und Februar ihren Höhepunkt und sind von Juni bis August am niedrigsten. Dabei ist eine Schwankung von fast zwei Einheiten möglich (5,2 mU/l bis 3,4 mU/l). Im Gegensatz zum TSH hat sich das freie Thyroxin (fT4) als relativ stabiler Wert erwiesen.
Es sollte nicht übersehen werden, dass auch Alter, Geschlecht, Tageszeit und verschiedene Erkrankungen den TSH-Wert vorübergehend erhöhen können. Eine durch Medikamentenüberdosierung ausgelöste Hyperthyreose oder eine durch Medikamentenunterdosierung verursachte Hypothyreose kann das Risiko eines kardiovaskulären Todes erhöhen. Daher sollte eine Über- oder Unterbehandlung mit Schilddrüsenhormonen vermieden werden.
Den Leitlinien zufolge senken hohe Dosen von Acetylsalicylsäure (4x1000 mg/Tag), Heparin, Glukokortikoiden und Biotin den TSH-Wert. Zu bedenken ist auch, dass eine Behandlung mit Schilddrüsenhemmern, Zytokinen, Lithium, Amiodaron, Tyrosinkinasehemmern oder Checkpoint-Inhibitoren zu einer Hypothyreose führen kann. Das Gleiche gilt für übermäßigen Jod- und Selenmangel, der den Leitlinien zufolge in der Türkei inzwischen selten ist.